Jul 27

Gemäss eines Artikels im Ösgöta Correspondenten (Corren) dauert es in Schweden zwischen dem Tod eines Menschen und dessen Bestattung im Schnitt ganze 23 Tage (!). In Linköping sei diese Frist mit nur (!) 21 Tagen etwas besser. Aus dem Artikel ist auch zu erfahren, dass bei Kremationen und einer Urnenbeisetzung mit weiteren 64 Tagen bis zur Bestattung zu rechnen ist. Insgesamt also rund 2 1/2 Monate!

Die Gründe für diese, für uns undenkbaren, Fristen sind offenbar unklar. Aus dem Erzbistum Uppsala ist jedenfalls in dieser Sache lediglich zu vernehmen, dass eine ganze Reihe von Gründen dafür verantwortlich sind: Bearbeitungsfristen bei den Bestattungsunternehmen, ebenso bei Svenska Kyrkan (Schwedische Kirche) sowie Wünsche und Anliegen der Angehörigen. Dies alles hat dazu geführt, dass heute sogar mit Wartefristen von bis zu 2 bis 3 Wochen zu rechnen ist.

Das führende Bestattugnsinstitut Fonus will nun sogar die Schwedische Kirche auffordern, auch an Samstagen Bestattungen durchzuführen. Nur scheint auch dies keine Lösung zu sein, denn Personalmangel sowohl bei Fonus als auch bei der Schwedischen Kirche scheinen hier enge Grenzen zu setzen.

Da hat mich natürlich interessiert, wie diese Situationeigentlich in der Schweiz ist. Ichhabe eine kurze Internet-Recherche gemacht und folgendes herausgefunden: Kanton Zürich (Bestattungsverordnung): maximal 96 Stunden nach dem Tod muss die Bestattung erfolgt sein. Ebenso Kanton Glarus (Bestattgungsverordnung). In Appenzell Innerrhoden 72 Stunden mit einer maximalen Verlängerungsfrist von weiteren 72 Stunden. Auch meine Gemeinde Lohn-Ammannsegg sieht eine maximale Frist von 4 Tagen vor.

Ich habe auch sonst zum Thema kurz im Internet nachgeforscht und beispielsweise eine heftige Diskussion um pesönliche Anliegen (Ferienplanung) und Konflikten zu Beisetzung und Abschiedsfeierlichkeiten festgestellt. Offenbar ein sehr sensibles Thema, zu welchem man sich ungern äussert aber offenbar gerne aus dem eigenen Leben verdrängt oder zumindest so lang als möglich vor sich hinschiebt. Wenn ich nur im privaten sehe, wie schwierig es rein terminlich ist, jemanden zum Essen einzuladen, wie schwierig soll es dann werden, eine ganze Familie innerhalb von Stunden(!) zusammenzutrommeln, nur weil ein einziges Familienmitglied es sich erfrecht hat, gerade 3 Tage vor Ferienbeginn dahinzuscheiden.

Letztendlich frage ich mich, was denn im Leben eines Menschen wichtiger ist, als Geburt, Liebe und Tod. Und dann eben auch der Abschied der Eigenen bei der Bestattung. Aber eben. “Zuerst fahren wir jetzt mal in die Ferien, dann ist noch der Grillabend mit den Nachbarn… und der Betriebsausflug, und in 4 Wochen begraben wir ihn dann…”

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Jun 24

Fussball-WM ohne Schweden. Irgendiwe ein komisches Gefühl. Irgendwie hatte ich mich schon so schön an die Aufreger mit der Senioren-Gurkentruppe rund um Trainer Lagerbäck gewöhnt.

Ich erinnere mich an den Jahrhundert-Sommer 1994. Mein erster und bisher einziger ganzer Sommer in Schweden. Bei durchschnittlich 30° im Schatten und einem beflissentlich mit Karton abgeschatteten Fernseher im Garten. Norrlands Guld in der einen und die Snusdose in der anderen Hand. Stars wie Dahlin, Brolin und wie sie alle hiessen. Und sogar All-Time-Favourite Henke Larsson war schon dabei. Damals noch mit Zottel-Rasta.

Nun denn. Lagerbäck hat mittlerweile sein Unglück in Nigeria gesucht. Und wir haben wenigstens die Hochzeit von Victoria und ihrem Daniel (und natürlich Mitsommar) zum Anlass genommen, um neben unserer abartig überdimensionalen Schweizerfahne die kleine “Fassadflagga” rauszuhängen.

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Jan 15

Tja, so ist sie also vorbei, unsere Schwedische Weihnacht. Die Dekoration hättet Ihr sehen sollen. Überdosis traditionelles Röd (Rot), Grön (Grün) und Vitt (Weiss) in allen Ecken und Winkeln des ganzen Hauses. Und überall Tomtar (Wichtel), Änglar und Stjärnor. Dazu natürlich die traditionellen Schwedischen Weihnachtsleuchter und Staffan Stalledräng durfte auch nicht fehlen.

Dazu unser traditionelles Schwedisches Weihnachtsfest mit unseren Schwedischen Freunden, damit unsere Kinder die Traditionen behalten und weiterführen, auch wenn wir hunderte Kilometer von Skandinavien weg sind.

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Nov 02

Fast aus den Latschen gekippt bin ich, als ich damals hörte, wie mein neuer Arbeitskollege heissen soll: Gudis! Haha! Tönt wie Schwedisch “godis” und heisst Schleckzeug.

Gestern waren wir auf Geocaching-Tour und haben uns vor dem Start mit etwas süssem vom Kiosk ausgerüstet. Meine zwei Kidz natürlich mit einem Kinder-Überraschungsei bzw. einer Tüte Maltesers (warum muss man eigentlich 12 Jahre alt sein, um auf deren Website zu kommen? Weil man das Zeugs sonst nicht lesen kann?) und ich mit einem traditionellen Torino-Stängeli. Und meine geliebteste aller schwedischen Ehefrauen? Natürlich eine Tüte saure Schleckis.

Wusstet Ihr, dass die Schweden Weltmeister sind im Verzehr von sauren Schleckis und Bäredräck (Lakritze)?

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Sep 28

Wen interessiert nicht, was vor der Haustüre auf der Strasse läuft, wer vorbeigeht und wer bei wen ein- und ausgeht? Die Gerüchteküche im Dorf brodelt und wir alle kochen mit.

Das Problem dabei ist nur: Wie kann die die Lage unter Kontrolle halten
a) wenn ich dabei selbst beim kochen (von Gerichten – nicht Gerüchten) bin und
b) ohne dass ich selbst dabei beobachtet werde?

IMAG0083Hier hilft der Schwedische “Skvallerspegel” (s. Bild).

Der Skvallerspegel (übersetzt “Tratschspiegel”) besteht aus einem Blechrahmen mit zwei schräggestellten Spiegelgläsern. Das Gestellt wird meist an der Aussenseite des Küchenfensters (oder wo man sich sonst häufig in der Wohnung aufhält) montiert. Wichtig ist dabei, dass der Skvallerspegel auf jener Fassadenseite angebracht ist, auf welcher sich das interessanteste Dorfleben auf der Strasse abspielt. Die Spiegel ermöglichen es nun, ohne an das Fenster zu treten, die Strasse und deren Ereignisse jederzeit im festen Griff zu haben.

IMAG0082Der Skvallerspegel hat gem. Nationalencyklopedin (“Nationaenzyklopedie”) seinen Ursprung in England und wird in Schweden seit dem 18. Jahrhunder angewendet. In England jedoch habe ich noch nie eine solche Einrichtung gesehen. In Teilen Schwedens jedoch, in welchen auf mittelalterliche oder zumindest historische Ortsbilder Wert gelegt wird, kann man den Skvallerspegel noch recht häufig entdecken. Abhängig ist das sicherlich auch davon, ob irgend ein ortsansässiger Kunstschmied oder Spengler die Dinger auch anbietet. Einfach so im Warenhaus kaufen geht auch in Schweden nicht  (zumindest habe ich das noch nie gesehen). Insbesondere in Vadstena sieht man die Skvallerspegel häufig und auch in Gamla Linköping (Östergötland) habe ich die auch oft gesehen.

Übrigens hat der Einsatz von Skvallerspegeln so seine Tücken: Die Fenster in Schweden öffnen sich nämlich grundsätzlich nach aussen. Ziemlich unpraktisch, wenn man einen Skvallerspegel davor montiert hat. Viel einfacher geht die Monatge bei uns in der Schweiz. Unsere Fenster öffnen sich nämlich üblicherweise nach innen.

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Aug 09

Na ja, ich kanns mir nicht verkneifen. es muss noch ein letzter Teil in meine Trilogie über Badezimmer in Schweden. Diesmal zwar keine Episode über Raumenge und IKEA-Philosophie, dafür über Historie.

Mårten Skinnare war als Kaufmann im 16. Jahrhundert einer der reichsten Schweden überhaupt. Es finanzierte einen grossteil der Feldzüge von König Gustav Vasa, natürlich nur um im Gegenzug die Schürfrechte an wichtigen Silber- und Kupferminen zu erhalten. Er gilt auch als Gründervater des Birgitta-Krankenhauses in Vadstena. Dieser clevere Neureiche baute sich in Vadstena ein Haus, welches seinesgleichen in derjenigen Zeit sucht, eben Mårten Skinnares Hus.

2009-07 Sverige_ 099In diesem Haus befindet sich eine der ältesten erhaltenen Toiletten Schwedens und somit auch (Zitat Tourist-Office) eine der meist-fotografierten Toiletten Schwedens. Tatsächlich macht der kleine Touristen-Bimmelzug extra einen kleinen Umweg, um an der Toilette vorbeifahren zu können

Mårten war überzeugter Katholik. Das war sein Fehler. Er fiel beim Reformatoren-König Gustav Vasa in Ungnade. Und damit wars auch vorbei mit vielen seiner Privilegien.

Links:

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Aug 04

Hier nochmals ein einzigartiges Exemplar einer fantasievollen Dusche: Die Platzverhältnisse in der Einzimmerwohnung, welche mein Schwiegervater vermietet (übrigens auch gerne an Touristen…!) lassen die parallele Existienz einer Dusche, einer Toilette und eines Handwaschbeckens einfach nicht zu.

Die Lösung: Das Handwaschbecken ist an einer schwenkbaren Wand angebracht. Der Wasserhahn ist gleichzeitig auch Duschbrause.Will man Duschen, entriegelt man einfach die schwenkbare Wand und schwenkt sie nach innen. Eine Aussparung schiebt sich über die Kloschüssel und der Wasserhahn wird versetzt. Jetzt nur noch die Türe zu und fertig ist die Duschkabine!

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Vergleiche auch: http://www.willyweb.ch/blog/2009/08/fantasievolle-badezimmer/

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Aug 02

Schwedische “Stugor” (ausgesprochen “Stügur”), also Sommerhäuser, Hütten, Ferienhäuser, Bungalows oder wie wir sie immer nennen wollen, sind in der Regel recht eng und nutzen jeden cm2 konsequent aus. Möglicherweise hat das auch mit der Marketingidee des Platzausnützens bei IKEA zu tun.

Wo der Mensch aus der Funktion und dem individuellen Körpervolumen gegeben recht viel Platz braucht, in den Stugor jedoch in der Regel recht wenig zugeteilt ist, ist das Badezimmer. Die Schwedischen Nasszellen sind grundsätzlich nicht mit dem Standard in der Schweiz oder in weiten Teilen Deutschlands zu vergleichen. Die in der Schweiz standardisierten sogenannten “Duschtassen“, also die emailierten Wannen mit verchromtem Abfluss, sind gänzlich unbkannt oder zumindest sehr selten. Meist ist einfach der Boden mit einem wasserdichten PVC-Boden ausgekleidet und einem Plastik-vergitterten grossflächigen Abfluss versehen. Der Boden ist zum Abfluss hin dann leicht abgesenkt, manchmal ist auch eine leichte Vertiefung festzustellen. In vielen Fällen ist die Dusche dann doch mit einem Vorhang eingekleidet, um die schwerwiegendsten Spritzschäden zu vermeiden.

Doch nun zur Toilette. Die spielt im Badzimmer-Konzert die letzte Geige. Und so erlebte ich es auch in einer verhältnismässig grosszügigen Stuga in Granvik. Die Toilette ist so verschämt in die Ecke gestellt, dass es sich schlicht nicht rechterellenbogenschmerzfrei setzen lässt. Sitzt man jedoch endlich, ist man so sicher in Abrahams Schoss wie in einem Formel1-Sitz.

IMAG0053Einzigartig dabei ist, dass ich während der körperlichen Versäuberung ohne mir einen einzigen Wirbel auszuränken oder die halbe Rolle abzurollen und mir unter die Nase zu führen brauche, problemlos die Anzahl Löcher, welche für eine saubere Klopapieperforation notwendig sind, auszählen kann. Es sind 47. Wenigstens bei Schwedischem Standard-Ökopapier.

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Jul 25

Dass Schweden ein besonderes Verhältnis zur Musik im Allgemeinen und zum Gesang im Speziellen haben, dürfte nicht erst seit den Welterfolgen von ABBA, Roxette und Mando Diao bekannt sein.

Ein spezielles Phänomen jedoch fasziniert mich immer wieder und ist für einen Durchschnitts-Mitteleuropäer nur wirklich zu glauben, wenn man dabei war. Da sammeln sich also Schweden jeglichen Alters wöchentlich irgendwo in einem Stadtpark, vorzugsweise in einem touristischen Einzugsgebiet, vor einem kleinen Musikpavillion. Zur Not tuts auch ein Bretterverschlag. Da präsentiert sich eine in der Regel äusserst durchschnittliche Tanzband, je nach Grössenordnung der Veranstaltung auch nur ein Alleinunterhalter und trällert Volkslieder, alte Schlager und allgemein bekannte Popsongs. Die macht das aber nicht alleine, nein, das Publikum singt von herzen mit! Ist sogar vom Veranstalter ausgerüstet mit entsprechenden Gesangs-Unterlagen, also Lieder-Blättern mit allen heute zu singenden Liedern, deren Strophen und Refrains. Und alle singen mit! Enkelinnen wie Opas, Hardrocker wie Softjazzer. Fast so wie Karaoke auf Schwedisch, nur eben als Gruppenbewegung und ohne Elektronik. Und wenn man sich reinschickt – echt witzig! Das nennt sich eben Allsång (ausgesprochen: allsong)

Das Ganze nimmt sogar solche Dimensionen an, dass die erfolgreichste Sommersendung des Schwedischen Frensehens SVT “Allsång på Skansen” heisst und nichts anderes als die Direktübertragung desselben wöchentlichen Anlasses aus Stockholm ist. Da allerdings mit landesweit bekannten Sternen und Sternchen der nationalen Schlager-, Pop- und Rock(!)-Szene. Faszinierend.

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Bild oben: Szene aus einem “Allsång för barn”, also extra für Kinder, in Motala. Das sind auch unsere zwei Racker Ida und Eskil mit in der Szene.

Übrigens ist die Musikindustrie eine der grössten Exportbranchen Schwedens – und einiges grösser als Volvo und Saab zusammen. Nur wenige wissen, dass nebst den eigenen Welterfolgen auch viele amerikanische Stars wie Brittney Spears, N´sinc und andere in Schweden Produziert wurden…

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Jul 25

Nicht ganz wider Erwarten wurde mir nach samstäglichem Warten auf mein Gepäck vor einigen Minuten von einer unterbeschäftigten und an Demotivation kaum zu überbietenden Flughafen-Nicht-Mitarbeiterin des City Airports in Göteborg telefonisch auf Anfrage mitgeteilt, dass mein Gepäck zwar am Freitag wie von Air Berlin angekündigt,  angekommen sei – dass nun aber leider niemand mehr bereit sei, die Dinger hier zu holen und mir zu bringen, bzw. dass das frühestens am Montag der Fall sei und ich also frühestens am Dienstag mit meiner persönlichen Zahnbürste rechnen könne (also über-über-morgen…).

Einen furioseren, rasenderen, wutschnaubenderen Willy am Telefon habe selbst ich in meinen bisher 42 Jahren noch selten erlebt. Und das erst noch in einer Fremdsprache.

Zum Thema Air Berlin. Ein Anruf genügt in der Lost-Baggage-Abteilung der Fluggesellschaft. “Das dürfte nicht passieren. Leider entspricht der Service-Standard in Göteborg City Airport nicht immer ganz unseren Anforderungen. Geben Sie uns bitte ein paar Minuten, ich werde Sie gleich zurückrufen.” Gesagt getan. Der freundliche, sehr motivierte Herr der Fluggesellschaft schaffte es also, dass ein Taxifahrer mobilisiert wurde, welcher sich in diesen Minuten des wartenden Gepäcks am Flughafen ermächtigt und den klaren Auftrag hat, dieses mir noch heute Abend auszuhändigen. Topleistung. Zwar leidlich spät, aber das darf man der Air Berlin nicht anlasten. Die dachten wohl, dass in Göteborg irgendwer daran interessiert sei, dass ich zu meinen frischen Socken kommen würde. Fehlanzeige.

Fazit: Air Berlin TOP – Göteborg City Airport FLOP.

Warum wohl fliegt Air Berlin ab nächstem Monat neu Göteborg Landvetter an und nicht mehr diesen vermaledeiten City Airport?

Danke Air Berlin!

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