Dec 21

Seite einigen Jahren feiern wir mit unseren Kindern und einigen befreundeten schwedischen Familien (bzw. Schweizer Männern, die mit Schwedinnen verheiratet sind…) eine traditionelle Schwedenweihnacht. Im Zentrum steht natürlich das Schwedische Weihnachtsbuffet “Julbordet“. Aber auch andere, vielleicht eher familiäre Sitten führen wir weiter: Wir singen Schwedische Weihnachtslieder (die meist viel fröhlicher sind als deutsche) und natürlich weihnächtlich angehauchte Trinklieder, spielen “Fiskdamm” nur um den Baum tanzen wir aus Platzgründen nicht mehr (haben wir aber auch schon gemacht). Die Idee dabei ist, dass unsere Kinder, auch wenn sie nur selten direkt in Schweden Weihnachten feiern können, doch das eine oder andere Spezielle an der Schwedischen Weihnacht kennenlernen.

Leider können wir dieses Jahr die traditionelle Schwedenweihnacht wegen verschiedener Terminkollisionen nicht im Advent feiern. Deshalb haben wir uns kurzum entschlossen, Statt Weihnachten halt “Tjugondag Knut” zu feiern, also den zwanzigsten Tag nach Weihnachten. Ein Feiertag, der bei uns schon lange in Vergessenheit geraten ist. Nur die gute alte IKEA verleiht diesem Feiertag ein neues Gesicht

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Oct 14

In Anbetracht der Anstrengungen, das Rauchverbot in den unterschiedlichen Ausprägungen in den Kantonen durchzusetzen, den steigenden Gesundheitskosten und der allgemeinen politischen Stimmung in Bezug auf Alkohol und Tabakwaren ziemlich verständlich, dass der Bundesrat eine Legalisierung des Snus-Handels in der Schweiz in den nächsten Jahren nicht in Betracht zieht.

http://www.solothurnerzeitung.ch/schweiz/snus-legalisierung-wasserfallen-krebst-zurueck-100522975

Dann muss halt auch ich den Stoff weiterhin online in Schweden bestellen

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Oct 11

Zurück aus den Ferien in Südfrankreich (ja, auch wir fahren mal woanders hin…) erst mal einen amüsanten Betirag zu schwedischen Klischees gelesen:

http://blog.schwedenstube.de/alle-schweden-fahren-volvos-%E2%80%93-teil-i/

Aug 16

Meine beiden Schwager liessen micht dieses Jahr bei unserer Kräftskiva am Lorensee ganz fein durch die Blume spüren, dass ich mich immer ein wenig (zu) kritisch gegenüber Schweden, dem System oder anderen skandinavischen Phänomenen äussere. Deshalb habe ich mir neu zu Herzen genommen, auch die guten Seiten von Schweden (deren es Massnnhaft hat!) stärker hervorzuheben. Als Anfang dieser Beitrag:

In Schweden wohnen wir jeweils fast direkt am Vätternsee. Vom steinbewehrten Ufer trennt uns jeweils nur ein kleiner Park mit hohen Linden und feinem Rasen. An sonnigen Tagen versammelln sich dort schnell einmal einige Dutzend Familien, Pärchen und kleine Gruppen junger Leute zum gemeinsamen Sonnenbad, schwimmen und BBQ-Happening oder einer Pizza aus der nahelgelegenen Pizzeria Vadstena.

Dieses Jahr ist mir folgendes aufgefallen: Bei uns in der Schweiz gäbe es in diesem Städchen ziemlich schnell ein öffentliches Schwimm- bzw. Seebad. Dort könnte man dann unter der strengen Aufsicht eines Bademeisters nach dem Umziehen in der geschlechtergetrennten Garderobe in geregeltem Masse seinen Ranzen oder seine Hängebrüste sünnelen oder im dafür vorgesehenen Areal einen Taucher ins kühle Nass wagen. Das Ganze, wenn man Schwein hat, mit nur sehr wenig Eintritt, weil die Infrastruktur und das Personal kostet schliesslich auch. BBQ oder die spontane Pizza müsste man halt dann vergessen, weil es in der Badi-Beiz nur mufige Pommes oder höchstens man einen Hamburger oder einen Hot Dog gibt.

Da lobe ich mir dich die skandinavische Freiheit. geht doch baden, wann und wie Ihr Lust habt! Umziehen mitten im Park? Ist doch kein Problem! Ein Schniedelchen haben doch schliesslich schon alle mal gesehen, oder? Ausserdem kann man da ja noch das Handtuch zu Hilfe nehmen. Oder zieh Dich einfach zuhause um und komm einfach nur mit Handtuch bewaffnet her.

Ich habe sogar öfters schon ältere Damen im Bademantel auf dem Fahrrad vom Strand nach Hause radeln sehen. unbezahlbar!

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Aug 07

Fährt man bei uns in den Jurahöhen eine schmale, einspurige Kiesstrase entlang kann es passieren, dass man auf ein entgegenkommendes Fahrzeug trifft. Ein einfaches aneinander vorbeifahren ist dann oft nicht möglich. Deshalb gibt es extra für diesen Zweck Verbreiterungen der Strasse, bei welchen die Fahrzeuge dann problemlos passieren können. Beiuns in der Schweiz (und wohl auch in Deutschland) nennt man solche Verbreitungen “Ausweichstellen”. Man weicht als dem entgegenkommenden Fahrzeug aus.

Auch in Schweden gibt es zahlreiche schmale Kiesstrassen durch die endlosen Wälder. Auch in Schweden gibt es für den problemlosen Autoverkehr Verbreiterungen der Strasse. Diese sind sogar von weit her sichtbar markiert mit einem grossen “M”. M steht für “Mötesplats” und heisst übersetzt “Begegnungsplatz”.

Ist es nicht interessant, dass die Schweden sich bei solchen Gelegenheiten gern begegnen, währenddessen sich die Schweizer gerne ausweichen?

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Jul 27

Gemäss eines Artikels im Ösgöta Correspondenten (Corren) dauert es in Schweden zwischen dem Tod eines Menschen und dessen Bestattung im Schnitt ganze 23 Tage (!). In Linköping sei diese Frist mit nur (!) 21 Tagen etwas besser. Aus dem Artikel ist auch zu erfahren, dass bei Kremationen und einer Urnenbeisetzung mit weiteren 64 Tagen bis zur Bestattung zu rechnen ist. Insgesamt also rund 2 1/2 Monate!

Die Gründe für diese, für uns undenkbaren, Fristen sind offenbar unklar. Aus dem Erzbistum Uppsala ist jedenfalls in dieser Sache lediglich zu vernehmen, dass eine ganze Reihe von Gründen dafür verantwortlich sind: Bearbeitungsfristen bei den Bestattungsunternehmen, ebenso bei Svenska Kyrkan (Schwedische Kirche) sowie Wünsche und Anliegen der Angehörigen. Dies alles hat dazu geführt, dass heute sogar mit Wartefristen von bis zu 2 bis 3 Wochen zu rechnen ist.

Das führende Bestattugnsinstitut Fonus will nun sogar die Schwedische Kirche auffordern, auch an Samstagen Bestattungen durchzuführen. Nur scheint auch dies keine Lösung zu sein, denn Personalmangel sowohl bei Fonus als auch bei der Schwedischen Kirche scheinen hier enge Grenzen zu setzen.

Da hat mich natürlich interessiert, wie diese Situationeigentlich in der Schweiz ist. Ichhabe eine kurze Internet-Recherche gemacht und folgendes herausgefunden: Kanton Zürich (Bestattungsverordnung): maximal 96 Stunden nach dem Tod muss die Bestattung erfolgt sein. Ebenso Kanton Glarus (Bestattgungsverordnung). In Appenzell Innerrhoden 72 Stunden mit einer maximalen Verlängerungsfrist von weiteren 72 Stunden. Auch meine Gemeinde Lohn-Ammannsegg sieht eine maximale Frist von 4 Tagen vor.

Ich habe auch sonst zum Thema kurz im Internet nachgeforscht und beispielsweise eine heftige Diskussion um pesönliche Anliegen (Ferienplanung) und Konflikten zu Beisetzung und Abschiedsfeierlichkeiten festgestellt. Offenbar ein sehr sensibles Thema, zu welchem man sich ungern äussert aber offenbar gerne aus dem eigenen Leben verdrängt oder zumindest so lang als möglich vor sich hinschiebt. Wenn ich nur im privaten sehe, wie schwierig es rein terminlich ist, jemanden zum Essen einzuladen, wie schwierig soll es dann werden, eine ganze Familie innerhalb von Stunden(!) zusammenzutrommeln, nur weil ein einziges Familienmitglied es sich erfrecht hat, gerade 3 Tage vor Ferienbeginn dahinzuscheiden.

Letztendlich frage ich mich, was denn im Leben eines Menschen wichtiger ist, als Geburt, Liebe und Tod. Und dann eben auch der Abschied der Eigenen bei der Bestattung. Aber eben. “Zuerst fahren wir jetzt mal in die Ferien, dann ist noch der Grillabend mit den Nachbarn… und der Betriebsausflug, und in 4 Wochen begraben wir ihn dann…”

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Jun 24

Fussball-WM ohne Schweden. Irgendiwe ein komisches Gefühl. Irgendwie hatte ich mich schon so schön an die Aufreger mit der Senioren-Gurkentruppe rund um Trainer Lagerbäck gewöhnt.

Ich erinnere mich an den Jahrhundert-Sommer 1994. Mein erster und bisher einziger ganzer Sommer in Schweden. Bei durchschnittlich 30° im Schatten und einem beflissentlich mit Karton abgeschatteten Fernseher im Garten. Norrlands Guld in der einen und die Snusdose in der anderen Hand. Stars wie Dahlin, Brolin und wie sie alle hiessen. Und sogar All-Time-Favourite Henke Larsson war schon dabei. Damals noch mit Zottel-Rasta.

Nun denn. Lagerbäck hat mittlerweile sein Unglück in Nigeria gesucht. Und wir haben wenigstens die Hochzeit von Victoria und ihrem Daniel (und natürlich Mitsommar) zum Anlass genommen, um neben unserer abartig überdimensionalen Schweizerfahne die kleine “Fassadflagga” rauszuhängen.

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Jan 15

Tja, so ist sie also vorbei, unsere Schwedische Weihnacht. Die Dekoration hättet Ihr sehen sollen. Überdosis traditionelles Röd (Rot), Grön (Grün) und Vitt (Weiss) in allen Ecken und Winkeln des ganzen Hauses. Und überall Tomtar (Wichtel), Änglar und Stjärnor. Dazu natürlich die traditionellen Schwedischen Weihnachtsleuchter und Staffan Stalledräng durfte auch nicht fehlen.

Dazu unser traditionelles Schwedisches Weihnachtsfest mit unseren Schwedischen Freunden, damit unsere Kinder die Traditionen behalten und weiterführen, auch wenn wir hunderte Kilometer von Skandinavien weg sind.

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Nov 02

Fast aus den Latschen gekippt bin ich, als ich damals hörte, wie mein neuer Arbeitskollege heissen soll: Gudis! Haha! Tönt wie Schwedisch “godis” und heisst Schleckzeug.

Gestern waren wir auf Geocaching-Tour und haben uns vor dem Start mit etwas süssem vom Kiosk ausgerüstet. Meine zwei Kidz natürlich mit einem Kinder-Überraschungsei bzw. einer Tüte Maltesers (warum muss man eigentlich 12 Jahre alt sein, um auf deren Website zu kommen? Weil man das Zeugs sonst nicht lesen kann?) und ich mit einem traditionellen Torino-Stängeli. Und meine geliebteste aller schwedischen Ehefrauen? Natürlich eine Tüte saure Schleckis.

Wusstet Ihr, dass die Schweden Weltmeister sind im Verzehr von sauren Schleckis und Bäredräck (Lakritze)?

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Sep 28

Wen interessiert nicht, was vor der Haustüre auf der Strasse läuft, wer vorbeigeht und wer bei wen ein- und ausgeht? Die Gerüchteküche im Dorf brodelt und wir alle kochen mit.

Das Problem dabei ist nur: Wie kann die die Lage unter Kontrolle halten
a) wenn ich dabei selbst beim kochen (von Gerichten – nicht Gerüchten) bin und
b) ohne dass ich selbst dabei beobachtet werde?

IMAG0083Hier hilft der Schwedische “Skvallerspegel” (s. Bild).

Der Skvallerspegel (übersetzt “Tratschspiegel”) besteht aus einem Blechrahmen mit zwei schräggestellten Spiegelgläsern. Das Gestellt wird meist an der Aussenseite des Küchenfensters (oder wo man sich sonst häufig in der Wohnung aufhält) montiert. Wichtig ist dabei, dass der Skvallerspegel auf jener Fassadenseite angebracht ist, auf welcher sich das interessanteste Dorfleben auf der Strasse abspielt. Die Spiegel ermöglichen es nun, ohne an das Fenster zu treten, die Strasse und deren Ereignisse jederzeit im festen Griff zu haben.

IMAG0082Der Skvallerspegel hat gem. Nationalencyklopedin (“Nationaenzyklopedie”) seinen Ursprung in England und wird in Schweden seit dem 18. Jahrhunder angewendet. In England jedoch habe ich noch nie eine solche Einrichtung gesehen. In Teilen Schwedens jedoch, in welchen auf mittelalterliche oder zumindest historische Ortsbilder Wert gelegt wird, kann man den Skvallerspegel noch recht häufig entdecken. Abhängig ist das sicherlich auch davon, ob irgend ein ortsansässiger Kunstschmied oder Spengler die Dinger auch anbietet. Einfach so im Warenhaus kaufen geht auch in Schweden nicht  (zumindest habe ich das noch nie gesehen). Insbesondere in Vadstena sieht man die Skvallerspegel häufig und auch in Gamla Linköping (Östergötland) habe ich die auch oft gesehen.

Übrigens hat der Einsatz von Skvallerspegeln so seine Tücken: Die Fenster in Schweden öffnen sich nämlich grundsätzlich nach aussen. Ziemlich unpraktisch, wenn man einen Skvallerspegel davor montiert hat. Viel einfacher geht die Monatge bei uns in der Schweiz. Unsere Fenster öffnen sich nämlich üblicherweise nach innen.

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