Mar 11

Warum sprechen so viele Schweden gut englisch und integrieren mehr und mehr englische Ausdrücke in ihrer Sprache? Weil sie des Schwedischen nicht richtig mächtg sind oder weil sie es cooler finden, englisch zu reden?

Die Schweden sprechen gar nicht so gut Schwedisch wie sie meinen. Ihre Aussprache ist von den TV-Serien und Hollywood-Blockbustern, welche im Schwedischen Fernsehen SVT ausnahmslos in Originalfassung mit Untertiteln gezeigt werden, geprägt. Ausserdem ist der Wortschatz ziemlich verkümmert und erinnert mehr an American White Trash als an British Upperclass. Das zeigen auch oft US- und britische Sportberichte, in welchen Schwedische Sportler interviewt werden.

Ich glaube, die Schweden finden es ziemlch cool, englische Expressions in ihrer Sprache einzubauen. Wenn man einem Schwedischen Webdesigner (sorry – Branchenverblödung) zuhört wähnt man sich irgendwo im Atlantik: Weder richtig Amerikanisch-Englisch noch richtig Schwedisch und irgendwie zugespült von Wortfluten. Aber nicht nur Branchenfuzzies tun das. Auch der ganz gewöhnliche alte Schwede ist dem verfallen. Oder wie lässt es sich erklären, dass Schweden in Fernseh-Strasseninterviews auf einfache geschlossene Fragen sehr oft mit “Yes” antworten, anstatt mit “Ja”?

Ich glaube sogar, dass der gewöhnliche moderne Schwede seine eigene Sprache ziemlich uncool findet. Dass es ihm/ihr an Selsbtvertrauen mangelt. Dass er/Sie nicht sagen kann: “Schwedisch – wow – welch freche frische Sprache! Lasst uns echtes Schwedisch sprechen!” – “Svenska – hej! – vilket häftigt språk!”

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Mar 10

Ein Highlight des Schwedenfernsehwinterhalbjahres ist die achtteilige Serie von Sissela Kyle über die sieben Todsünden: Sissela och dödssynderna.

Nachdem Sie über jede einzelne der Todsünden Hochmut, Gier, Neid, Wollust, Völlerei, Gleichgültigkeit und Zorn zum Schluss kam, dass alle zwar verwerfliche Charaktereigenschaften, aber letztlich doch nur menschlich seien, stimmt das Fazit im letzten Abschnitt nachdenklich: Wenn man sich nämlich die Kombination aus Hochmut, Gier und Gleichgültigkeit näher betrachtet kommt man zum Schluss, dass diese Kombination sehr wohl zum Untergang der Menschheit beitragen kann. Wirklich sehenswerte Satire mit einer gehörigen Prise Salz.

Welches sind meine sieben Todsünden? Ich habe zu Beginn mal vier zusammengebracht:

  • Nicht “Bitte” zu sagen, wenn man etwas haben möchte.
  • Nicht “Danke” zu sagen, wenn man etwas bekommen hat.
  • Gleichgültigkeit (ich weiss, ist nicht originell, eine der Originalsünden zu nennen, ist aber eben so…)
  • Einsteigen, bevor die anderen Leute ausgestiegen sind.

Welches sind Deine sieben Todünden?

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Mar 05

Jetzt, nachdem sich die Olympiaeuphorie nach Vancouver etwas gelegt hat kann man auch mit etwas Distanz auf die zwei erlebten Intensiv-Fernsehwochen zurückblicken. Im Vorfeld von Olympischen Winter- wie Sommerspielen freue ich mich immer sehr auf die exotischen (nein nicht Skifahrer, sondern) Sportarten, welche man nur selten am TV sieht und erst recht eigentlich nicht genau weiss, wie sie funktionieren. Sportliche Weiterbildung ist angesagt. Kommt noch dazu, dass man ja neue Sportler kennenlernen soll, welche diese Sportarten ausüben.

Ich erwarte also coole Kurzerichte, die Sportarten erklären,. Einige Highlights zusammengefasst aus den internationalen Wettbewerben, damit man weiss wies da so abgeht. Kurzportraits von Spielern und Athleten, damit man die Namen kennt und die Chancen einschätzen kann. Kompetente Kommentatoren, die sich lange Zeit vor dem Anlass schon mit der Materie befasst haben. Und dann spektakuläre Bilder.

Frisch wohlan, den Drücker in der rechten Hand die Kanäle durchzappt: SF2, ARD, ZDF und Eurosport. Dazwischen auch noch das Schwedische SVT World über Satellit.

SF2. Didier Cuche, Simon Ammann, Simon Ammann, Didier Cuche, dann wieder Didier Cuche und dann, man kommt nicht drum rum, Simon Ammann (zweimal). Dann, hoppla, Didier Cucher versagt *snief*. Juhui, Didier Defago. Zwischendurch Simon Ammann. Ah ja Curling: Luzi :-) müht sich ab, den Beni :-( nicht allzuoft zu korrigieren um sein Gesicht zu wahren. Was ihr nicht gelingt. Dann Simon Ammann. Noch n’bisschen Snwoboard und Skikross mit der supercoolen Stefi Buchli. Zum Glück bin ich nicht Boarder und brauch mich nicht zu schämen… Zum Schluss nochmal Simon Ammann. Ransdportarten: *gähn* nix.

ARD und ZDF: Die teutonischen Urgesteine huldigen der germanischen Überlegeneheit im Rodeln (Doppelrodeln ging ja leider an Gau Austria). Na wenigstens sieht man hier regelmässig Biathlon (immer wieder ein Highlight. Echt wahr!). Erste regelmässig gezeigte Randsportart: Eisschnellauf. Randsportarten: Pustekuchen.

Eurosport: Unglaublichwiemaneinestundeimgleichentonfallsprechenkann. Dafür ein Highlight: Curling mit echt kompetentem Kommentar (Danke Uli Kapp). Ausserdem wird zwischen verschiedenen Partien geschaltet. Super. Ansonsten: Keine Randsportarten.

Södkorea platziert sich mit 6 Gold und insgesamt 14 Medallien auf dem 5. Rang knapp vor der Schweiz. Dank Shorttrack. Und keiner merkts.

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Jan 18

Das schreckliche Erdbeben in Haiti ist ja schon schlimm genug. Da sollte man sich nicht noch über die Medien ärgern müssen.

Die Feststellung und Berichterstattung einiger (weniger) intelligenter Medien, über die missliche Infrastruktur und politischen Lage im Land und der allenthalben angelaufenen Hilfsaktionen finde ich wichtige journalistische Basisarbeit.

Dass jedoch einige minderbemittelte heimische Medien, allen voran (mir aufgefallen) unser erster amtlich bewilligter Störsender DRS3 unablässig Jagd nach statistischen Rekordzahlen machen und nicht müde werden, ständig darauf hinzuweisen, dass es möglicherweise die grösste Katastrophe seit dem St. Nimmerleinstag ist (so schnell geht der Tsunami vergessen) ärgert mich gewaltig und macht mich traurig. Geht es nur noch um Rekorde? Wäre Haiti nicht helfenswert, auch wenns “nur” eine kleineres Erdbeben wäre?

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Jan 15

Manchmal kotzt (sorry für den Ausdruck!) mich unsere schöne moderne Kommunikationswelt schon an…

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Jan 15

Tja, so ist sie also vorbei, unsere Schwedische Weihnacht. Die Dekoration hättet Ihr sehen sollen. Überdosis traditionelles Röd (Rot), Grön (Grün) und Vitt (Weiss) in allen Ecken und Winkeln des ganzen Hauses. Und überall Tomtar (Wichtel), Änglar und Stjärnor. Dazu natürlich die traditionellen Schwedischen Weihnachtsleuchter und Staffan Stalledräng durfte auch nicht fehlen.

Dazu unser traditionelles Schwedisches Weihnachtsfest mit unseren Schwedischen Freunden, damit unsere Kinder die Traditionen behalten und weiterführen, auch wenn wir hunderte Kilometer von Skandinavien weg sind.

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Nov 23

Fragst Du einen Schweden ob er gerne Milch in den Kaffee hätte, antwortet er meist mit “Ja, tack!”. So weit so gut. Keine Gefahr für sprachliche komplikationen, auch wenn keine Schwedischkenntnisse vorhanden sind.

Schwieriger wirds, wenn geringe Sprachkenntnisse zur Verfügung stehen und man danach auch noch die zwangsläufige Frage stellt, wieviel er denn gerne möchte. Dann antwortet nämlich der durchschnittliche Schwede / durchschnittliche Schwedin (ach lassen wir das mit der politischen Korrektheit) mit dem Begriff “lagom“.

Lagom? Was heisst lagom? Nun, wenn sich sogar Wikipedia damit auseinandersetzt, muss schon was merkwürdiges dahinter stecken. Ich habe nämlich noch nie eine wörtliche Übersetzung dieses Schwedischen Begriffs gefunden. Am nächsten kommt man noch mit der begrifflichen Annäherung “gerade richtig”.

Für Gesprächsstoff sorgt das Wörtlein auch auf dem Netz. Beispielsweiseise nennt sich sogar ein Take-Away-Anbieter in Deutschland “Lagom-Lunch“. Das Wörterbuch vom Schwedentor befast sich mit einer Reihe von mehr oder weniger gelungenen Übersetzungsversuchen und kommt auch nicht wiklich über ein “gerade richtig” hinaus. Auch die Autorin von “Schweden für Einsteiger“, Hiltrud Baier, nutzt den Begriff und bietet auch nicht viel mehr als ein “gerade richtig”.

Kenn jemand noch mehr solche Ausdrücke im Schwedischen?

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Nov 09

IMAG0182Ich habe mir gegenüber immer insgeheim behauptet, dass, wenn Du’s einmal namentlich in ein Kreuzworträtsel geschafft hast, Du endlich am Servelat-Promi-Zenit angekommen bist.

Nun – da werden sich meine Freunde Ursi und Alois Feger in Zukunft aber wichtig nehmen…

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Nov 02

Fast aus den Latschen gekippt bin ich, als ich damals hörte, wie mein neuer Arbeitskollege heissen soll: Gudis! Haha! Tönt wie Schwedisch “godis” und heisst Schleckzeug.

Gestern waren wir auf Geocaching-Tour und haben uns vor dem Start mit etwas süssem vom Kiosk ausgerüstet. Meine zwei Kidz natürlich mit einem Kinder-Überraschungsei bzw. einer Tüte Maltesers (warum muss man eigentlich 12 Jahre alt sein, um auf deren Website zu kommen? Weil man das Zeugs sonst nicht lesen kann?) und ich mit einem traditionellen Torino-Stängeli. Und meine geliebteste aller schwedischen Ehefrauen? Natürlich eine Tüte saure Schleckis.

Wusstet Ihr, dass die Schweden Weltmeister sind im Verzehr von sauren Schleckis und Bäredräck (Lakritze)?

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Nov 02

Kürzlich habe ich an einer FdP-Informationsveranstaltung zur Initiative zur Förderung der KMU im Kanton Solothurn teilgenommen. Eine gute Veranstaltung. Aber das wirklich befruchtende lief bei mir drin ab.

Seit einigen jahren mühe ich mich mit KV-Auszubildenden im 3. Lehrjahr mit ihrer SA (Selbständige Arbeit) ab. Dabei dürfen diese in Kleingruppen jeweils ein eigenes Thema wählen, welches im weitesten Sinne einen Zusammenhang zu wirtschaftlichen Problemstellungen hat und darüber eine 12-Seitige Arbeit schreiben. Die Arbeit ist ein wichtiger Teil der LAP (Lehrabschluss-Prüfung).

Das grösste Problem dabei ist jedoch immer wieder die Themenfindung. Einerseits stehen den Lehrlingen die bereits geschriebenen SAs der letzten Jahre und die eigene mangelnde Fantasie im Weg, auf der anderen Seite frustriert oft der Anspruch an die wirtschaftliche Thematik. Allzu oft werden allgemeine gesellschaftspolitische Themen gewählt, welchen immer irgend ein andenhaarenherbeigerissener wirtschaftlicher Zusammenhang in den Vordergrund gedrückt werden kann. Ein wachsendes Problem und jährlich wiederkehrendes Thema der Fachschaftssitzungen.

Genau vor der gleichen Herausforderung stand ich auch dieses Jahr mit meiner Abschlussklasse. Doch plötzlich tat sich ein ganz neues Themenfeld auf: Der Businessplan!

Man nehme eine (möglichst originelle, ausgefallene) Geschäftsidee und prüfe sie auf rentabilität. Das Instrument dazu ist der (vereinfachte) Businesplan. Damit schlägt man gleich zwei Fiegen:

  • Ein ganz neues Feld von Themenmöglichkeiten wird geöffnet und der wirtschaftliche Kontext ist von Anfang an gegeben.
  • Die Auszubildenden werden erstmals an den Gedanken der Selbständigkeit herangeführt.

Dabei muss man sich vergegenwärtigen, dass am KV noch immer die Unternehmer von morgen ausgebildet werden. Natürlich wird jetzt nicht aus jedem/r KV-Absolvent/in ein/e Unternehmer/in* aber ich bin der festen Überzeugung, dass vielleicht beim einen oder anderen hier eine Tür aufgestossen wird, Hemmschwellen abgebaut und Wege aufgezeigt werden.

Also: Ab sofort sollten SAs in der Form eines vereinfachten Businessplans für eine eigenständige Geschäftsidee geschrieben werden.

Wäre jetzt natürlich schön, wenn man auch Institutionen zur Unterstützung dieser Idee gewinnen könnte. Beispielsweise könnte ein Gründerzentrum eine unterstützende Funktion übernehmen, indem Informationen vermittelt werden oder sogar deren Mithilfe bei der qualitativen Beurteilung der Arbeiten in Anspruch genommen werden könnte. Auch Wirtschafts- und Handelskammern könnte man sicherlich für diese Idee begeistern.

Irgend jemand noch weitere kreative Ideen?

*) ab sofort gilt die männliche Form auch immer für die weibliche – ich mach mich doch nicht zum Schreibaffen hier…

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