Aug 04
Schweden gilt in der ganzen Welt als hoch engagiert in Sachen Umweltschutz. Auch in vielen anderen Bereichen wird Schweden stets mit den ersten Nationen genannt, wenn es um öffentliche Verantwortgung geht (Gleichstellung von Mann und Frau, Behindertengleichstellung, Schulsystem etc.). Doch immer mehr habe ich das Gefühl, es handelt sich hierbei ‘nur’ um die sog. öffentliche Verantwortung (public responsability). Also das, was das System (Regierung) erdenkt und vorschreibt. Tatsächlich mangelt es in Schweden nicht an öffentlichen Personen, welche Stellung beziehen und sich für eine Sache, bleiben wir beim Umweltschutz, einsetzen.
Und dann kommt ab und zu wieder das tägliche Erwachen. Wo es wirklich fehlt hier ist (zumindest bei einigen) bei der persönlichen Verantwortung. Im Gegensatz zu anderen Ländern (z.B. Deutschland oder der Schweiz) sehe ich hier oft und immer wieder Leute, die sich einen Deut um die Umwelt scheren – und zwar im ganz kleinen. Wenn man beispielsweise – wie eben beobachtet – bei einem Park unter Linden parkiert ist das noch das eine. Dass man dann aber, nur weil es schon spät ist und niemand zuschaut, einfach quer über den Rasen das Auto wendet um wegzufahren, wo doch das Einlegen eines Rückwärtsganges viel respektvoller gewesen wäre aber eben eine Handbewegung mehr benötigt hätte, verursacht doch immer wieder Kopfschütteln bei mir.
Da ist mir die persönliche, individuelle Verantwortung dann doch lieber.
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Jan 18
Wie immer beschaulich und verhältnismässig friedlich sind auch dieses Jahr Jul (Weihnachten) und Nyår (Neujahr) verlaufen. Dass man dann an “Tjugondag Knut” (dem 13. Januar) seinen Christbaum blindlings zum Fenster hinauswirft tu’ ich mal einfach so ab ins Reich der blühenden Fantasie. Zumindest so wie’s in der IKEA-Werbung dargestellt wird. Schliesslich entsorgen wir doch alle irgendwie unsere Haustannen nach getaner Lametta-Demontage. Und wir zuhause haben den Baum schon immer, auch ohne skandinavische Kulturaufklärung, aus dem zweiten Stock zum Fenster auf den Parkplatz hinausgeschmissen. Und nicht brav das Treppenhaus runtergetragen und dabei das halbe Haus in eine Nadelsammlung verwandelt. Natürlich kein Schmeissen ohne zu überprüfen, ob da drunter noch irgend eine arme Seele in Reichweite steht. Und ich glaub ehrlich gesagt auch nicht, dass die Schweden das nicht auch tun.
Aber was geben wir nicht alles für Folkloreklischees…
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Dec 10
So nun ist sie voll eingefahren, die Weihnachtszeit. Bei uns natürlich geprägt von Schwedischen Traditionen. Die finde ich gerade um die Weihnachtszeit unschlagbar. Deshalb ist bei uns auch Svensk Jul (Schwedische Weihnacht) voll angesagt. Das geht von Pepparkakor (Pfefferkuchen) über Julbordet (das Schwedische Weihnachts-Buffet) bis zum Tanz um den Julgran (Christbaum) und der Art, wie die Geschenke eingepackt werden.
Alle kann ich hier nicht erzählen, aber wie die Geschenke eingepackt werden ist schon ganz anders: Meist nimmt man weisses (edler) oder ganz normales braunes Packpapier (einfacher). Dann gehört immer ‘ne rote Schleife drum und dann wird das ganze noch mit rotem Siegellack versiegelt. Finde ich unheimlich traditionell und schön! Na ja, unseren Kindern zuliebe nehmen wir dann halt doch meistens normal-schweizerisches Gschäkpäcklipapier.
Ausserdem haben wir unseren Kirschbaum draussen an der Strasse mit übergrossen Pepparkakor (Pfefferkuchen) aus lackiertem Sperrholz dekoriert. Lustig ist, dass die meisten Passanten das als Lebkuchen erkennen. War uns eigentlich gar nicht so bewusst, bis uns einige auf die herzigen Lebkuchen aufmerksam gemacht haben…
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Nov 08
Das ist so eine Sache mit den Hausaufgaben. Unsere Grosse geht jetzt zur Schule und hat natürlich täglich Hausaufgaben. Das Problem dabei ist, das das alles in Deutsch, also nicht in Schweizerdeutsch, ist. Meine beste schwedische Ehefrau von allen (frei nach Kishon) hat aber nie Deutsch gelernt, sondern nur Schweizerdeutsch. Und das mit dem Schweizerdeutsch schreiben ist eben so eine Sache – das gibt’s halt eben nicht…
Unsicherheit macht sich breit am Wohnzimmertisch und das drohende Kopfschütteln der Tochter muss unbedingt verhindert werden. Also: Zurückhaltung ist angesagt. Und der Husi-Support wird auf’s Rechnen beschränkt.
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