Aug 02

Schwedische “Stugor” (ausgesprochen “Stügur”), also Sommerhäuser, Hütten, Ferienhäuser, Bungalows oder wie wir sie immer nennen wollen, sind in der Regel recht eng und nutzen jeden cm2 konsequent aus. Möglicherweise hat das auch mit der Marketingidee des Platzausnützens bei IKEA zu tun.

Wo der Mensch aus der Funktion und dem individuellen Körpervolumen gegeben recht viel Platz braucht, in den Stugor jedoch in der Regel recht wenig zugeteilt ist, ist das Badezimmer. Die Schwedischen Nasszellen sind grundsätzlich nicht mit dem Standard in der Schweiz oder in weiten Teilen Deutschlands zu vergleichen. Die in der Schweiz standardisierten sogenannten “Duschtassen“, also die emailierten Wannen mit verchromtem Abfluss, sind gänzlich unbkannt oder zumindest sehr selten. Meist ist einfach der Boden mit einem wasserdichten PVC-Boden ausgekleidet und einem Plastik-vergitterten grossflächigen Abfluss versehen. Der Boden ist zum Abfluss hin dann leicht abgesenkt, manchmal ist auch eine leichte Vertiefung festzustellen. In vielen Fällen ist die Dusche dann doch mit einem Vorhang eingekleidet, um die schwerwiegendsten Spritzschäden zu vermeiden.

Doch nun zur Toilette. Die spielt im Badzimmer-Konzert die letzte Geige. Und so erlebte ich es auch in einer verhältnismässig grosszügigen Stuga in Granvik. Die Toilette ist so verschämt in die Ecke gestellt, dass es sich schlicht nicht rechterellenbogenschmerzfrei setzen lässt. Sitzt man jedoch endlich, ist man so sicher in Abrahams Schoss wie in einem Formel1-Sitz.

IMAG0053Einzigartig dabei ist, dass ich während der körperlichen Versäuberung ohne mir einen einzigen Wirbel auszuränken oder die halbe Rolle abzurollen und mir unter die Nase zu führen brauche, problemlos die Anzahl Löcher, welche für eine saubere Klopapieperforation notwendig sind, auszählen kann. Es sind 47. Wenigstens bei Schwedischem Standard-Ökopapier.

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Jul 25

Dass Schweden ein besonderes Verhältnis zur Musik im Allgemeinen und zum Gesang im Speziellen haben, dürfte nicht erst seit den Welterfolgen von ABBA, Roxette und Mando Diao bekannt sein.

Ein spezielles Phänomen jedoch fasziniert mich immer wieder und ist für einen Durchschnitts-Mitteleuropäer nur wirklich zu glauben, wenn man dabei war. Da sammeln sich also Schweden jeglichen Alters wöchentlich irgendwo in einem Stadtpark, vorzugsweise in einem touristischen Einzugsgebiet, vor einem kleinen Musikpavillion. Zur Not tuts auch ein Bretterverschlag. Da präsentiert sich eine in der Regel äusserst durchschnittliche Tanzband, je nach Grössenordnung der Veranstaltung auch nur ein Alleinunterhalter und trällert Volkslieder, alte Schlager und allgemein bekannte Popsongs. Die macht das aber nicht alleine, nein, das Publikum singt von herzen mit! Ist sogar vom Veranstalter ausgerüstet mit entsprechenden Gesangs-Unterlagen, also Lieder-Blättern mit allen heute zu singenden Liedern, deren Strophen und Refrains. Und alle singen mit! Enkelinnen wie Opas, Hardrocker wie Softjazzer. Fast so wie Karaoke auf Schwedisch, nur eben als Gruppenbewegung und ohne Elektronik. Und wenn man sich reinschickt – echt witzig! Das nennt sich eben Allsång (ausgesprochen: allsong)

Das Ganze nimmt sogar solche Dimensionen an, dass die erfolgreichste Sommersendung des Schwedischen Frensehens SVT “Allsång på Skansen” heisst und nichts anderes als die Direktübertragung desselben wöchentlichen Anlasses aus Stockholm ist. Da allerdings mit landesweit bekannten Sternen und Sternchen der nationalen Schlager-, Pop- und Rock(!)-Szene. Faszinierend.

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Bild oben: Szene aus einem “Allsång för barn”, also extra für Kinder, in Motala. Das sind auch unsere zwei Racker Ida und Eskil mit in der Szene.

Übrigens ist die Musikindustrie eine der grössten Exportbranchen Schwedens – und einiges grösser als Volvo und Saab zusammen. Nur wenige wissen, dass nebst den eigenen Welterfolgen auch viele amerikanische Stars wie Brittney Spears, N´sinc und andere in Schweden Produziert wurden…

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Aug 04

Schweden gilt in der ganzen Welt als hoch engagiert in Sachen Umweltschutz. Auch in vielen anderen Bereichen wird Schweden stets mit den ersten Nationen genannt, wenn es um öffentliche Verantwortgung geht (Gleichstellung von Mann und Frau, Behindertengleichstellung, Schulsystem etc.). Doch immer mehr habe ich das Gefühl, es handelt sich hierbei ‘nur’ um die sog. öffentliche Verantwortung (public responsability). Also das, was das System (Regierung) erdenkt und vorschreibt. Tatsächlich mangelt es in Schweden nicht an öffentlichen Personen, welche Stellung beziehen und sich für eine Sache, bleiben wir beim Umweltschutz, einsetzen.

Und dann kommt ab und zu wieder das tägliche Erwachen. Wo es wirklich fehlt hier ist (zumindest bei einigen) bei der persönlichen Verantwortung. Im Gegensatz zu anderen Ländern (z.B. Deutschland oder der Schweiz) sehe ich hier oft und immer wieder Leute, die sich einen Deut um die Umwelt scheren – und zwar im ganz kleinen. Wenn man beispielsweise – wie eben beobachtet – bei einem Park unter Linden parkiert ist das noch das eine. Dass man dann aber, nur weil es schon spät ist und niemand zuschaut, einfach quer über den Rasen das Auto wendet um wegzufahren, wo doch das Einlegen eines Rückwärtsganges viel respektvoller gewesen wäre aber eben eine Handbewegung mehr benötigt hätte, verursacht doch immer wieder Kopfschütteln bei mir.

Da ist mir die persönliche, individuelle Verantwortung dann doch lieber.

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Jan 18

Wie immer beschaulich und verhältnismässig friedlich sind auch dieses Jahr Jul (Weihnachten) und Nyår (Neujahr) verlaufen. Dass man dann an “Tjugondag Knut” (dem 13. Januar) seinen Christbaum blindlings zum Fenster hinauswirft tu’ ich mal einfach so ab ins Reich der blühenden Fantasie. Zumindest so wie’s in der IKEA-Werbung dargestellt wird. Schliesslich entsorgen wir doch alle irgendwie unsere Haustannen nach getaner Lametta-Demontage. Und wir zuhause haben den Baum schon immer, auch ohne skandinavische Kulturaufklärung, aus dem zweiten Stock zum Fenster auf den Parkplatz hinausgeschmissen. Und nicht brav das Treppenhaus runtergetragen und dabei das halbe Haus in eine Nadelsammlung verwandelt. Natürlich kein Schmeissen ohne zu überprüfen, ob da drunter noch irgend eine arme Seele in Reichweite steht. Und ich glaub ehrlich gesagt auch nicht, dass die Schweden das nicht auch tun.

Aber was geben wir nicht alles für Folkloreklischees…

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Dec 10

So nun ist sie voll eingefahren, die Weihnachtszeit. Bei uns natürlich geprägt von Schwedischen Traditionen. Die finde ich gerade um die Weihnachtszeit unschlagbar. Deshalb ist bei uns auch Svensk Jul (Schwedische Weihnacht) voll angesagt. Das geht von Pepparkakor (Pfefferkuchen) über Julbordet (das Schwedische Weihnachts-Buffet) bis zum Tanz um den Julgran (Christbaum) und der Art, wie die Geschenke eingepackt werden.

Alle kann ich hier nicht erzählen, aber wie die Geschenke eingepackt werden ist schon ganz anders: Meist nimmt man weisses (edler) oder ganz normales braunes Packpapier (einfacher). Dann gehört immer ‘ne rote Schleife drum und dann wird das ganze noch mit rotem Siegellack versiegelt. Finde ich unheimlich traditionell und schön! Na ja, unseren Kindern zuliebe nehmen wir dann halt doch meistens normal-schweizerisches Gschäkpäcklipapier.

Ausserdem haben wir unseren Kirschbaum draussen an der Strasse mit übergrossen Pepparkakor (Pfefferkuchen) aus lackiertem Sperrholz dekoriert. Lustig ist, dass die meisten Passanten das als Lebkuchen erkennen. War uns eigentlich gar nicht so bewusst, bis uns einige auf die herzigen Lebkuchen aufmerksam gemacht haben…

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Nov 08

Das ist so eine Sache mit den Hausaufgaben. Unsere Grosse geht jetzt zur Schule und hat natürlich täglich Hausaufgaben. Das Problem dabei ist, das das alles in Deutsch, also nicht in Schweizerdeutsch, ist. Meine beste schwedische Ehefrau von allen (frei nach Kishon) hat aber nie Deutsch gelernt, sondern nur Schweizerdeutsch. Und das mit dem Schweizerdeutsch schreiben ist eben so eine Sache – das gibt’s halt eben nicht…

Unsicherheit macht sich breit am Wohnzimmertisch und das drohende Kopfschütteln der Tochter muss unbedingt verhindert werden. Also: Zurückhaltung ist angesagt. Und der Husi-Support wird auf’s Rechnen beschränkt.

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