Aug 16

Meine beiden Schwager liessen micht dieses Jahr bei unserer Kräftskiva am Lorensee ganz fein durch die Blume spüren, dass ich mich immer ein wenig (zu) kritisch gegenüber Schweden, dem System oder anderen skandinavischen Phänomenen äussere. Deshalb habe ich mir neu zu Herzen genommen, auch die guten Seiten von Schweden (deren es Massnnhaft hat!) stärker hervorzuheben. Als Anfang dieser Beitrag:

In Schweden wohnen wir jeweils fast direkt am Vätternsee. Vom steinbewehrten Ufer trennt uns jeweils nur ein kleiner Park mit hohen Linden und feinem Rasen. An sonnigen Tagen versammelln sich dort schnell einmal einige Dutzend Familien, Pärchen und kleine Gruppen junger Leute zum gemeinsamen Sonnenbad, schwimmen und BBQ-Happening oder einer Pizza aus der nahelgelegenen Pizzeria Vadstena.

Dieses Jahr ist mir folgendes aufgefallen: Bei uns in der Schweiz gäbe es in diesem Städchen ziemlich schnell ein öffentliches Schwimm- bzw. Seebad. Dort könnte man dann unter der strengen Aufsicht eines Bademeisters nach dem Umziehen in der geschlechtergetrennten Garderobe in geregeltem Masse seinen Ranzen oder seine Hängebrüste sünnelen oder im dafür vorgesehenen Areal einen Taucher ins kühle Nass wagen. Das Ganze, wenn man Schwein hat, mit nur sehr wenig Eintritt, weil die Infrastruktur und das Personal kostet schliesslich auch. BBQ oder die spontane Pizza müsste man halt dann vergessen, weil es in der Badi-Beiz nur mufige Pommes oder höchstens man einen Hamburger oder einen Hot Dog gibt.

Da lobe ich mir dich die skandinavische Freiheit. geht doch baden, wann und wie Ihr Lust habt! Umziehen mitten im Park? Ist doch kein Problem! Ein Schniedelchen haben doch schliesslich schon alle mal gesehen, oder? Ausserdem kann man da ja noch das Handtuch zu Hilfe nehmen. Oder zieh Dich einfach zuhause um und komm einfach nur mit Handtuch bewaffnet her.

Ich habe sogar öfters schon ältere Damen im Bademantel auf dem Fahrrad vom Strand nach Hause radeln sehen. unbezahlbar!

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Jul 13

Na ja, diejenigen, welche meinen letztjährigen Bericht über die Vätternüberquerung gelesen haben, werden schmunzeln…

Morfar hat sein knackiges Segelboot verkauft. Zu viel Arbeit sagt er, und zum segeln sei er ohnehin zu wenig gekommen.

:-( (

Na dann gibt’s halt dieses Jahr keine Berichte von Stürmen und Seekranken Landratten…

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Jul 30

Na ja, ein wenig wolkig wars schon als wir ablegten. 15 Seemeilen vor uns und kaum eine hinter uns schloss ich die Wolkendecke und ein deftiger Wind kommt auf. Wir messen 20 Knoten Wind (ca. 10 m/s) und freuen uns auf eine steife Brise und Top-Segelwetter. Tja, 1-2 m Wellen gehören halt auch dazu und dass es einer Alltags-Landratte dabei nicht immer ganz gut geht bringen die so mit sich.

5 Seemeilen später beginnt es zu regnen. Glücklicherweise hat Good Old WillyWeb sein GPS programmiert. Und das zeigt ja den Weg so schön mit einem grossen Pfeil. weitere 3 Seemeilen später sehen wir durch den feinen Landregen DIE WAND auf uns zukommen. Leichte Donner hatten wir schön früher gehört und professionell ignoriert. Nun aber als die Blitze keine 2 Seemeilen vor uns ins Wasser schlagen wurd uns schon mulmig. Und da ist sie, die Wand. Hagel würde ich es zwar nicht direkt nennen, aber nach nur 1 Minute waren Morfar und ich bis auf die Unterhosen durchnässt. Das Thermometer sinkt von 21 auf knapp 15 Grad. Zwar schlägt der Blitz nicht in unseren Mast, dafür gleich über unseren Köpfen im Himmel zusammen.

Kaum ist die erste Wand durchfahren und wir sehen endlich wieder Land kommt die zweite Wand und wir verabschieden und zumindest visuell wieder von der Küste. Die Segel werden endgültig alle gerafft. Mein GPS zeigt unmissverständlich nach Steuerbord doch Mofrar bringt seine ganze Erfahrung als Seebär ein und weiss, dass sich sein Seefahrer-Instinkt NIE täuscht. Nach 2 Seemeilen zu weit nach Süden lässt sich auch Morfar überzeugen, dass wir am Ziel vorbeigefahren sind und wir gehorchen dem kleinen gelben Garmin etrex demütig.

RRRumms! und nochmals rrums! 4 Mal laufen wir auf Steingrund auf und erst später sehen wir auf der Seekarte dass da tatsächlich auf 1.5 m ein Fels liegt. Seekartenstudium ist nicht des Kapitäns Sache… Macht nichts – wir sind immer noch voll beschäftigt mit dem zweiten Gewitter.

Nach einem kurzen Panik-Telefongespräch mit Land fassen wir neuen Mut und nehmen die letzten Meilen in Angriff. So schnell haben wir nach anlegen wohl noch nie die Segel verpackt und verzurrt. Noch auf dem Boot einen Sieges-Whisky, Kleider trocknen, und dann ein Bier in die nasse Seele geschüttet.

Da sind wir hingesegelt: Google Maps

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